Empfehlungen für den Kauf deiner nächsten Blue Jeans

Heute widme ich mich einem Kleidungsstück, welches wir alle lieben: Den Jeans. In all unseren Schränken findet sich wohl mindestens ein Paar der guten alten Blue Jeans: Kein Wunder, sie ist ein absoluter Allrounder. Ob zum Streichen der Wohnung, zur Arbeit oder elegant für spezielle Gelegenheiten: Sie passt immer.

Betrachten wir Jeans jedoch nicht von einem modischen oder praktischen Standpunkt her, sondern von einem ökologischen, sieht das Bild leider nicht mehr so rosig sein. Laut Hessnatur, einem europäischen Big Player im Markt der Naturtextilien „gilt die Jeans als eine der umweltschädlichsten Produkte in der Bekleidungsindustrie„.

Als Erstes ein bisschen Theorie: Für unsere Jeans wird Denim-Material verwendet. Dessen Rohmaterial ist Baumwolle, die auf eine ganz bestimmte Art und Weise verarbeitet wird: Die Fäden in Längsrichtung (Kettfäden) werden blau eingefärbt, die Querfäden, die eingewoben werden, sind weiss. Daraus entsteht die typische Jeans-Farbe.

Probleme

Für die Baumwoll-Produktion wird sehr viel Wasser benötigt, sie ist eine durstige Pflanze. Für die Herstellung von 1 kg konventioneller Baumwolle benötigt man, wie der WWF im Jahr 2021 berechnet hat, ca. 11’000 Liter Wasser. Dabei handelt es sich um den globalen Durchschnitt, in trockenen Gebieten kann es durchaus auch mehr sein. Für eine Jeans, die grob 1 kg wiegt benötigt man also bereits 11’000 Liter Wasser nur für die Herstellung der benötigten Fasern. Mag sein, dass diese Zahl etwas hoch gegriffen ist, der stern und hessnatur geben beispielsweise 8’000 Liter pro Paar an. Hinzu kommt, dass in der Produktion von konventioneller Baumwolle Düngemittel und Pestizide eingesetzt werden, welche schädliche Auswirkungen auf die Umwelt und im Produktionsprozess beteiligten Personen haben können.

Auch die Färbung der Baumwolle für die Längsfäden des Denims ist problematisch. Dafür wird Indigoblau benötigt. Zwar gibt es mit der Pflanze Indigofera eine natürliche Quelle, jedoch wird in der Denim-Produktion vor allem die synthetisch hergestellte Version verwendet. Dabei wird Anilin eingesetzt. Die International Agency for Research on Cancer, die auf Krebs spezialisierte Behörde der WHO (World Health Organisation), kategorisiert Anilin als „wahrscheinlich krebserregend für Menschen“, im englischen Originaltext als „probably carcinogenic to humans (Group 2A)“. Da mich die Verifizierung dieser im Internet weit verbreiteten Information viel Zeit gekostet hat will ich interessierten Personen die Quelle nicht vorenthalten: Das IARC Monographs Volume 127: Some Aromatic Amines and Related Compounds, welches hier gratis heruntergeladen werden kann. Die Klassifizierung befindet sich im Kapitel 6.4 Overall Evaluation.

Dies noch nicht alles. Es folgt die Nachbehandlung der Jeans. Der „gebraucht“-Look wird oft durch Sandstrahlen erreicht. Dabei werden die Jeans mit Sand eingesprüht, die Farbe der Oberfläche wird dabei abgerieben. Arbeiterinnen und Arbeiter sind dabei einem hohen Gesundheitsrisiko ausgesetzt, der dabei entstehende Staub kann schwere Lungenkrankheiten auslösen. Sandstrahlen von Jeans ist in zwar in einigen Ländern verboten, wird jedoch noch immer praktiziert.

Meiner Meinung finden wir hier ein Parade-Beispiel für die Tatsache, dass sich das Schicksal von Produzenten und Konsumenten nicht trennen lässt: Was in der Produktion eingesetzt wird, findet sich am Ende der Reise auf unsere Haut wieder. Gesundheitsbewusstes Arbeiten ist in all unserem Interesse.

Leider ist die Aufzählung weit davon entfernt, vollständig sein. Es gäbe noch viele Themen abzuarbeiten, zum Beispiel der CO2-Ausstoss durch lange Transportwege im Herstellungsprozess oder die Chlorbleiche. Aber ich kann leider nicht in einem Blog-Eintrag auf alle Probleme eingehen.

Worauf ist beim Jeans-Kauf zu achten?

Glücklicherweise ist das Bewusstsein für nachhaltige Mode in den letzten Jahren stark gestiegen, und steigt immer noch. So gibt es Möglichkeiten, Jeans aus fairer Produktion zu kaufen und einen Schritt in die richtige Richtung zu gehen. Beispielsweise:

  • Jeans mit GOTS-Zertifikat: Bereits in meinem ersten Blog-Eintrag habe ich über die Vorteile, die ich im GOTS-Zertifikat sehe, geschrieben: Ökologische und soziale Kriterien müssen erfüllt werden. Meiner Meinung nach kann man darauf vertrauen, dass mindestens die schlimmsten bekannten Sünden der Jeans-Produktion hier nicht begangen wurden. Der GOTS verbietet beispielsweise den Einsatz von Anilin, hat jedoch für die Produkte einen Grenzwert definiert, der gemäss GOTS „with current understanding and knowledge“ in Einklang mit der Sicherheit der Konsumenten steht. Dies aus dem Grund, dass sie anerkennen, dass Anilin auch durch Kontamination in die Textilien gelangen kann. Das Statement dazu von GOTS ist hier zu finden.
  • Es gibt mehrere Fair Fashion Jeans-Marken, welche in der Schweiz zu kaufen sind oder in die Schweiz liefern. Meistens sind sie auch GOTS zertifiziert. Mir bekannt sind:
    • Kuyichi, eine der ersten (gemäss eigener Aussage sogar die erste) Jeans-Marke mit Fokus auf Nachhaltigkeit. Seit dem Jahr 2001 sind sie bereits auf dem Markt. Ich habe selber ein Paar, und wenn es nicht gerade gewaschen wird, trage ich es. Auf ihrer Webseite über die Herstellung ist ersichtlich, dass sie sehr viel Wert auf eine transparente Lieferkette legen. Mir persönlich gefällt der Fokus auf eine möglichst lange Lebensdauer der Hosen, sowie dass im Webshop für jedes Modell Angaben zu Herstellung, Material und Zertifizierungen gemacht werden.
    • Armed Angels, eine Kleidermarke mit Sitz in Köln. Nicht eine typische Jeans-Marke, haben sie für Jeans aber eine eigene Linie kreiert, die Detoxdenim. In der Vision des Unternehmens wird das Weitergabe des Planeten an zukünftiger Generationen erwähnt. Auch hier werden klare Angaben zu Material, Produktion und Zertifikaten gemacht. Meiner Meinung nach werden Kundinnen und Kunden etwas zu sehr zum Kauf animiert, zum Beispiel aktuell mit dem Women Starterpack für Detoxdenim. Dabei erhält man bei Kauf eines T-Shirts zusammen mit der Jeans 15% Rabatt. Wieso sollen wir ein T-Shirt kaufen wenn wir keines brauchen? Dies ist eben gerade nicht nachhaltig.
    • Kings of Indigo, eine holländische Marke, welche 2011 gegründet wurde. Sie erklären auf ihrer Webseite die fünf Säulen der Nachhaltigkeit des Unternehmens, und dass ihrer Meinung nach die Nachhaltigkeit einen „holistic Approach“ erfordert. Dabei sprechen sie meine Gedanken aus. Jedoch würde ich mir wünschen, dass die Angaben zu den einzelnen Kleidungsstücken bezüglich Nachhaltigkeit etwas weniger allgemein ausfallen. Es ist auf den ersten Blick nicht ersichtlich ob sie zum Beispiel über ein GOTS-Zertifikat verfügen.

Ich will nicht verschweigen, dass nachhaltige Jeans ihren Preis haben. Selten sind sie unter 150 CHF zu haben. Ich bin mir sehr wohl bewusst, dass dieser Preis für die Mehrheit nicht erschwinglich ist. Kein einfaches Schlusswort für diesen Eintrag, aber leider kann ich nichts hinzufügen ausser: Leider ist unsere Welt so kaputt, dass sich Umweltschutz und Gesundheitsschutz oft nur die Privilegierten leisten können.