Das erste Label, dem ich auf der Suche nach einem Standard für nachhaltig produzierte Kleidung begegnete, war das GOTS-Zertifikat. GOTS steht für Global Organic Textile Standard. Auf der Homepage https://global-standard.org/de wird umfangreich erklärt, was hinter dem Standard steckt. Die Seite wird von der Global Standard gemeinnützige GmbH, so der etwas sperrige Name der Gesellschaft hinter dem Standard, betreut.
Im Prinzip ist es ganz einfach: Wenn ein Kleidungsstück die Anforderungen des Global Organic Textiles Standards erfüllt UND dies durch eine unabhängige Zertifizierungsfirma überprüft und bestätigt wurde, darf auf der Etikette das GOTS-Label angebracht werden.
Nun, welche Bedingungen sind an die Zertifizierung geknüpft? Die Dokumentation zum aktuellen Standard, der Version 7.0, umfasst 53 Seiten, sodass ich unmöglich alle nennen kann. Für mich persönlich sind die folgenden entscheidend:
- Die Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft werden geprüft, das heißt, es müssen ökologische UND soziale Kriterien erfüllt werden. Für mich ein absoluter Pluspunkt dieses Zertifikats. Ich bin keinem anderen so häufig verwendeten Zertifikat begegnet, auf das das zutrifft. So deckt zum Beispiel das auch häufig anzutreffende OEKO-TEX® Standard 100 nur Schadstoffe in Textilien ab.
- Die Kriterien müssen in sämtlichen Verarbeitungsschritten eingehalten werden.
- Chemische Zusätze (zum Beispiel Farbstoffe oder Prozesschemikalien) müssen in den Bereichen Toxizität und biologische Abbaubarkeit Grundanforderungen erfüllen.
- Die Verwendung problematischer Zusätze (zum Beispiel toxische Schwermetalle, Formaldehyd, aromatische Lösungsmittel oder genetisch veränderte Organismen) ist untersagt.
- Verbot von Kinderarbeit.
- Sichere und hygienische Arbeitsbedingungen.
- Gerechte Entlohnung.
Produkte, die Zertifizierung bestanden haben, erkennst du am folgenden Logo.

Ich habe das Bild aus dem Dokument Wie Sie GOTS-Zeichen* für zertifizierte Produkte und in Ihrer Werbung verwenden können kopiert. Neben dem markenrechtlich geschützten Logo muss es auch die Labelstufe, die Zertifizierungsstelle und die Lizenznummer des zertifizierten Unternehmens enthalten.
GOTS ist in seinen FAQ ziemlich eindeutig: Sind nicht alle vorgeschriebenen Merkmale in der Kennzeichnung enthalten, ist das textile Endprodukt NICHT GOTS-zertifiziert. Also, Augen auf beim Einkauf. Eventuell gibt es schwarze Schafe in der Branche, die als Trittbrettfahrer auf der Nachhaltigkeitswelle mitschwimmen wollen. Bei Unsicherheiten kann man auf der Datenbank der zertifizierten Unternehmen die entsprechende Firma suchen.
Und wie ist der Ruf des GOTS-Logos? Nun, von außen ist es natürlich schwierig zu sagen, ob es hält, was es verspricht. Aber meiner Meinung nach sieht es gut aus. Am 5. Juli dieses Jahres hat zum Beispiel die New York Times GOTS “the gold standard for organic cotton certification” genannt. Und im Textilsiegel-Check von Greenpeace aus dem Jahre 2018 (mir ist leider keine neuere Version bekannt), wird das GOTS-Label mit drei von drei Sternen bewertet, es wird jedoch auf eingeschränkte Kreislauffähigkeit hingewiesen.
Meiner persönlichen Meinung nach ist das GOTS-Zertifikat ein guter Kompass für fair fashion. Vielleicht ist es nicht perfekt. Hinterfragen der Information ist immer angebracht, sowieso in einer sich so schnell verändernden Welt. Auch sollte das Label immer sorgfältig gecheckt werden. Aber hey: Irgendwann und irgendwo muss man ja anfangen.
